Die grünen Berge von Indonesien

„Selamat datang!“ spricht man mich an. Etwas müde murmele ich „…mingalabar….ach nee, falsches Land…“ zurück. Ich komme gerade aus Myanmar, wo ich für unseren schönen Tee Nr. 595 Myanmar Green Pindaya unterwegs war. Bevor es aber nach Hause geht, mache ich einige Tage Halt in Indonesien.

Wie auf jeder Reise versuche ich wenigstens die rudimentären 5 Phrasen einer Landessprache zu lernen (Hallo, Danke, Prost, Entschuldigung, Ich komme aus Deutschland), aber hier will es mir einfach nicht gelingen. „Welcome to Indonesia, my friend!“ erwidert mein Gegenüber, als er merkt, dass ich kein Indonesisch spreche, und lächelt dabei. Wie freundlich ich empfangen werde, hier im viertgrößten Land der Welt (bevölkerungstechnisch).

Es geht in den Tee!

Nach einer Nacht im Hotel erwartet mich am nächsten Morgen unser Jeep. Es geht in den Tee! Laut Google Maps sollten es „Luftlinie“ etwa zwei Stunden sein, aber als ich nachfrage und unser Fahrer etwas von „…6 hours maybe…if traffic is good…“ murmelt, werde ich stutzig. Der Teegarten liegt in einem Nationalpark, der über nur sehr wenige Straßen hinein und hinaus verfügt. Um zum Teegarten zu gelangen, müssen wir einen Umweg von 4 Stunden fahren, da es keine direkte Anbindung gibt. Aber dafür hat unser Fahrer bereits vorgesorgt und Snacks und Wasser besorgt…und Indonesische Musik!

Unsere Route führt durch viele kleine Dörfer, große Plantagen mit Öl- und Kokospalmen, sowie an der Küste entlang. Je näher wir dem Teegarten kommen, desto wilder und ursprünglicher wird die Vegetation. Ich rechne eigentlich jeden Moment mit einem Dinosaurier, der um die Ecke gestampft kommt – meisten sind es aber nur voll beladene Mopeds.

Am frühen Nachmittag erreichen wir den Teegarten. Überall schlängeln sich Reihen mit camellia sinensis über die Hügel. Sorgfältig angelegt ist er und ich merke, dass wir an Höhe gewonnen haben, denn das Atmen fällt mir etwas schwerer.

Teeherstellung in Indonesien

Der Factory Manager und der Chef-Tea-Maker erwarten uns schon, entschuldigen sich dafür, dass es so stark geregnet hat und die Luft bei 38°C nun feuchtigkeitsgeschwängert ist. Aber das sei auf Indonesien nun mal so. Dafür wachse der Tee besser in dieser Umgebung und das wäre ja auch schön.

Recht hat er, die Teepflanzen sehen äußerst gesund und kräftig aus, ganz ohne künstliche Dünger oder Pestizide – wir stehen inmitten von gut 50 Hektar Bio-Land.

Am Vormittag hat man bereits gepflückt, wir können direkt in die Fabrik zur Verarbeitung gehen. Hier ist es nicht minder schwül, aber zum bekannten Raumklima gesellt sich der verführerische Duft von heißen Teeblättern – es ist Steaming Zeit. Hierbei werden die Teeblätter mit Hilfe von Hitze de-enzymiert, der Tee wird an der Oxidation gehindert. Der Teamaker macht gerade Oolong Tee, es sei die beste Jahreszeit dafür, meint er. Seit Anfang an sei er verantwortlich für die Tees, deren Herstellung er auf Taiwan gelernt hat. In Indonesien sei es einfacher zu leben und er könne „seinen“ eigenen Tee herstellen. Jede Charge ist einzigartig, aber in allen stecken sein Herz und seine Seele. Dann schweigt er, während die dampfenden Teeblätter langsam an Feuchtigkeit verlieren. Wenige Minuten Ruhe, bevor der nächste Schritt kommt. Dann wieder Ruhe. Dann weitermachen. So geht es jeden Tag. Aber trotz geregelter Prozessschritte, sage der Tee ihm jeden Tag aufs Neue, wie er ihn behandeln soll. Nach mehr als 20 Jahren habe er gelernt, dem Tee zuzuhören – nur bei seiner Frau, da dauere es noch, bis er vollständig versteht, was sie meint. Dann lacht er und arbeitet vergnügt weiter.

Hahnengeschrei und ein atemberaubender Ausblick beim Morgentee

Mittlerweile ist es Nacht und die Dunkelheit umgibt die Berge ringsum. Nur die wenigen elektrischen Glühbirnen erhellen die Umgebung, ansonsten ist alles schwarz. Irgendwo höre ich Tiergeräusche, kann diese aber nicht zuordnen.

Wir gehen schlafen, der Tag war erschöpfend. Ich werde unter Entschuldigungen ins Haus gebeten, ein Hotel gäbe es nicht, daher „müsste“ ich beim Factory Manager übernachten. Ich freue mich, seine Familie kennenzulernen und zu später Stunde endlich noch meine Geschenke zu überreichen: deutsche Schokolade. Diese wird sofort probiert und für ausgezeichnet befunden. Ich freue mich und schlafe kurz darauf ein.

Am kommenden Morgen werde ich vom Hahnengekreisch geweckt. Die Sonne geht hier, nahe des Äquators sehr früh auf und ehe ich mich versehe, schlendern schon die ersten Pflückerinnen an meinem Fenster vorbei.

Mit einer Tasse frischem Oolong-Tee stehe ich vor dem Haus und schaue über Teegarten, Berge und Täler, das satte Grün und denke mir: ich bin verdammt froh, dass es hier kein Hotel gibt!

Träumen Sie sich auch mit einer Tasse Sumatra Oolong Barisan BIO Nr. 861 in die grünen Berge Indonesiens – Sie werden es sicherlich nicht bereuen!

Über den Autor: Daniel Mack

Daniel Mack, Tea Taster. Seit gut 10 Jahren arbeitet Daniel Mack bereits im Teehandel und ist bei TeeGschwendner verantwortlich für den Einkauf asiatischer Tees, z.B. aus China, Japan oder Vietnam.

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  • Da bekommt man Reise- und Teelust.

  • Schöner Bericht, aber warum gibt es keine Fotos?

  • Wann wird es wieder den Tee Nr. 850, Java OP Superior Malabar geben? Warum wurde dieser aus dem Sortiment genommen. Wenn man Oolong Tee herstellt, kann man doch auch wieder schwarzen Tee produzieren.

  • Der Tee Nr. 850 wird so in seiner Form nicht mehr in Malabar hergestellt und unser Lieferant, der unseren schönen Oolong herstellt, produziert keinen Schwarztee. Dafür braucht man andere Maschinen und eine andere Verarbeitungstechnik – beides ist dort nicht vorhanden.

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