Von Teebäumen und Straßen, die keine sind

Es ist schon einige Jahre her, dass Herr Than mich das erste Mal besuchte. Damals war er mit der Industrie- und Handelskammer im Rahmen einer Wirtschaftsförderung nach Deutschland gekommen. Zusammen mit 10 weiteren Teeherstellern aus Viet Nam und Indonesien besuchten sie allesamt deutsche Importeure, um die Anforderungen an den deutschen Markt kennen zu lernen. 

Come to Viet Nam!

Wie so häufig hatten wir mit ca. 2 Stunden Besuchszeit gerechnet, inklusiver einer Firmenvorstellung, einem Betriebsrundgang durch unsere Produktionsstätten und einer Verkostung.
Nach einer halben Stunde räusperte sich unser deutscher IHK-Partner „Hmm, eigentlich müssten wir gleich weiter, der Bus nach Hamburg wartet.“ Hastig packten alle Gäste ihre Sachen und bedankten sich für die Zeit. Fast am Bus angekommen, drehte sich Herr Than um, stürmte zurück, drückte mir eine Tüte voll mit Teemustern in die Hand, schüttelte selbige und rief mir noch lächelnd hinterher „Come to Viet Nam! I wait for you!“. Seither sind mehr als 6 Jahre vergangen.

Zu Besuch bei Herrn Than

Im April diesen Jahres holte mich Herr Than vom Flughafen in Hanoi ab. Er begrüßte mich herzlich und hieß mich in seiner Heimat willkommen. Wir hatten zwischenzeitlich viele eMails ausgetauscht, der erste Container Tee war bereits vor einem halben Jahr in Deutschland eingetroffen.

Herr Than arbeitet als Bio- und Exportberater in Viet Nam, sein Büro liegt im Zentrum der Hauptstadt. Hier gibt es die schnellste Internetverbindung, wie er mir versichert. Die Tees, die er anbietet, stammen allesamt aus den Bergregionen aus dem Norden des Landes. Hier gäbe es noch echte Natur und nur wenige echte Straßen. Wie sich herausstellen sollte, waren jedoch auch diese weit entfernt von einer „echten“ Straße und hatten dann doch eher etwas mit der echten Natur gemein.

Ab in die Wildnis

In den folgenden Tagen fuhren wir bis hinauf an die Grenze zu China, in die Provinzen Lao Cai und Lai Chau. Neben einigen importierten Pflanzen aus Taiwan wird hier vorrangig die einheimische Kim Tuyen gepflanzt und verarbeitet. Zu schmecken ist dieser ganz eigene Charakter im Tee Nr. 871, den wir von Herrn Than beziehen.

Die Produktion findet in kleinbäuerlichen Betrieben statt, die mittels Kooperativenvertrag auch den Teebauern gehören – das sorgt für ein Gemeinschaftsgefühl und steigert die Wertschöpfung. Herr Than schaut mich stolz an, er habe aufgrund der besonders guten Entwicklung auch einen Anteil an der Teefabrik gekauft.

Jahrhundertealte Teebäume

Auf dem Rückweg machen wir noch Halt in einem Dorf, zu dem keine befestigte Straße mehr führt. Nach einem Fußmarsch von einer halben Stunde werden wir von Nebel umhüllt, als Herr Than verkündet: „We have arrived in the tea garden!“. Ich sehe außer Bäumen nichts. Bis mir langsam aufgeht, dass es sich um Tee-Bäume handelt: 400 Jahre alte, wilde camellia sinensis Bäume, die hier ungehindert wachsen und von den wenigen Einwohnern des Dorfes zu Pu-Erh Tee verarbeitet werden. Trotz ihres Alters strotzen sie vor Lebenskraft. Tee ist und bleibt einfach eine beeindruckende Pflanze.

Bald darauf sind wir wieder auf dem Weg nach Hanoi. Mitten in der Nacht erreichen wir die Hauptstadt und unser Fahrer schimpft, dass er nach unserem Ausflug in den Norden nun den Wagen wieder einmal komplett waschen müsse. Dann lacht er und sagt in gebrochenem Englisch: „Maybe I wait for Monsuun-rain!“.

Ich würde auch gerne noch bleiben und auf den Regen warten, aber mein Flieger Richtung Heimat wartet. Im Gepäck habe ich viele einzigartige Erinnerungen und fast genauso viele Muster von Herrn Than. Hoffentlich schaffen wir es noch, den ein oder anderen Tee aus den Bergen Viet Nams in deutsche Tassen zu bringen.

Über den Autor: Daniel Mack

Daniel Mack, Tea Taster. Seit gut 10 Jahren arbeitet Daniel Mack bereits im Teehandel und ist bei TeeGschwendner verantwortlich für den Einkauf asiatischer Tees, z.B. aus China, Japan oder Vietnam.

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  • Wie immer interessant. Ich bin vielleicht eine der ältesten Kundinnen und habe mit Herrn Mack schon Kontakt gehabt. Er hatte mich gut beraten, nachdem es eine von mir geliebte Sorte nicht mehr gab.

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