Tee auf Reisen

Weil ich ja gefühlt jeden dritten Atemzug durch einen Schluck Tee ersetze, fragen mich meine Kollegen gelegentlich, wie ich denn meine Teeversorgung auf Reisen bewerkstellige. Wenn man sich über die Jahre dran gewöhnt hat, klappt das eigentlich ganz gut ohne große Überlegung oder Planung. Aber für ein paar erste Gedankenanstöße gehe ich hier verschiedene Möglichkeiten durch, wie man Tee unterwegs genießen kann.

Für den Tagesausflug oder die längere Bahnfahrt bietet sich die Thermoskanne an. Für den optimalen Thermoskannentee achte ich auf drei Punkte:

  1. Die Hardware: wer billig einkauft muss mit nassen Taschen rechnen! Meine Erfahrung ist, dass Thermoskannen zu Schleuderpreisen (als Student gelegentlich gekauft) vielleicht etwas kürzer warm halten, aber viel häufiger undicht sind. Inzwischen vermeide ich Thermoskannen mit Glaskolben und nehme lieber Edelstahlkonstruktionen: die vertragen es auch mal, wenn der Rucksack am Bahnhof irgendwo gegenstößt.
  2. Disziplin: gestern Ostfriesentee in der Kanne, heute Früchtetee und morgen Marokkanische Minze in derselben Kanne … da kann der Darjeeling in der nächsten Woche einfach nicht richtig schmecken. Die Problemzone der meisten Kannen ist hier die Gummidichtung, die Aromen annimmt und diese nicht beim Spülen abgibt, sondern blöderweise erst bei der nächsten Teefüllung. Wer schon einmal Tee serviert bekommen hat aus einer Thermoskanne, die sonst für Kaffee verwendet wird, kennt die Maximalstrafe der Aromenverschleppung. Also: wenn ich bisher aus meiner Thermoskanne überwiegend Kräutertees getrunken habe aber künftig öfter Grüntee mitnehmen möchte, kann es sich lohnen, in eine zweite Thermoskanne zu investieren. Dann aber auch künftig drauf achten, die Kannen nicht durcheinander zu bringen.
  3. Die Software: es gibt Teesorten, die eignen sich besser für die Thermoskanne als andere. Obwohl Rooibuschtee nicht auf meiner Favoritenliste steht, muss ich ihn hier mal hervorheben: er verträgt längeres Warmhalten richtig gut. Wer schon einmal Darjeeling First Flush länger auf dem Stövchen oder für ein paar Stunden in der Thermoskanne hatte weiß: die spritzige Blumigkeit leidet sehr – ich mag ihn nicht fürs Warmhalten empfehlen. Grüntees neigen leider auch öfter zum Nachbittern in der Thermoskanne – da kann ich keine generelle Empfehlung abgeben. Aber chinesische Schwarztees wie der Yunnan Golden Downy Pekoe, Keemun oder auch ähnliche Tees auch Nachbarländern (Laos Wild Phongsali, Vietnam Kim Tuyen) sind sehr gut fürs Warmhalten geeignet. Weil Assamtee (und der daraus gemischte Ostfriesentee) seinen Charakter eher aus der Kraft&Würze als aus Blumigkeit bezieht, vertragen diese dunklen Tees die Thermoskanne gut. Ganz anders als Assam ist in fast allen Aspekten Weißer Tee – doch es gibt eine Parallele: Pai Mu Tan steckt trotz seiner Leichtigkeit selbst längere Thermoskannen-Einsätze locker weg.
    Noch eine Faustregel dazu: wenn Sie erlebt haben, dass eine Teesorte das Warmhalten auf dem Stövchen nicht so gut verträgt, brauchen Sie es in der Thermoskanne nicht zu versuchen.

Wer gerne chinesische Grüntees oder leichte Oolongs trinkt und diese unterwegs genießen möchte, kann sich etwas von den Chinesen abgucken: Nehmen Sie in der Thermoskanne einfach nur heißes Wasser mit und brühen Sie sich damit direkt im Trinkgefäß Ihren Tee auf. Inzwischen gibt es dafür schicke Spezialbecher mit Siebeinsätzen. In den 1970er und 1980er Jahren war es in China noch üblich, Schraubdeckelgläser (wie unsere Marmeladengläser) zum Teetrinken zu nehmen. Einfach Teeblätter (z.B. Lung Ching) in das Glas geben und zuschrauben. Kochendes Wasser in die Thermoskanne füllen und alles zusammen einpacken. Wenn man dann unterwegs eine Rast macht, das Wasser direkt auf die Teeblätter ins Schraubdeckelglas gießen und warten, bis dieser Tee Trinktemperatur erreicht hat. Meist sinken alle Teeblätter in der Wartezeit auf den Boden des Glases und man kann einfach von oben den Tee abtrinken. Wenn das Glas nur noch zu einem Drittel gefüllt ist, einfach wieder mit heißem Wasser auffüllen. Natürlich kann man das Glas auch zwischendrin zuschrauben und zur nächsten Rast mitnehmen.

Für japanische Tees finde ich diese Zubereitung nur empfehlenswert, wenn man einen Filter einsetzt und die Blätter nicht auf chinesische Art dauerhaft im Wasser baden lässt. Meine Tipps für diese Art der Zubereitung sind Grüntees wie Lung Ching (Nr. 519), Mao Feng (Nr. 516) oder sogar Zealong Green (Nr. 650). Bei den Oolongs eignen sich hier besser die grünlichen Vertreter: statt eines Eastern Beauty also besser den hellen Barisan Oolong (Nr. 861) oder auch der Zealong Oolong (Nr. 655). Aber auch einige Schwarztees vertragen diese Zubereitung recht gut, obwohl die Thermoskanne nicht wirklich 100°C heißes Wasser liefert. Neben dem schon erwähnten Laos Wild Phongsali (Nr. 585) nehme ich hier gerne den Meghalaya Lakyrsiew (Nr. 375) oder alle Nepal First Flush Tees.
Der riesige Vorteil bei dieser Art der Zubereitung: weil nur noch heißes Wasser in der Thermoskanne transportiert wird, braucht man nicht für jeden Teetyp eine eigene Thermoskanne.

Über den Autor: Gero Hartwig

Gero Hartwig, Tee-Sommelier und Japan-Experte. Schon in frühen Jahren zog es ihn in die weite, unergründlich scheinende Welt des Tees. Ihr ist er bis heute treu geblieben und gibt sein umfangreiches Fachwissen besonders gerne in Teeseminaren wortgewandt mit stets humorvollem Unterton weiter.

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