Frischer geht’s nicht: Shincha aus Kagoshima

Shincha bedeutet im Japanischen nichts anderes als „Neuer Tee“ (Shin = Neu, Cha = Tee). Als solche werden die ersten Frühjahresernten des Jahres bezeichnet, daher ist ein Shincha auch immer ein „First Flush“. Shincha ist in Japan eine saisonale Spezialität zwischen Mai und Juni, in diesem Zeitraum produzieren die verschiedenen Anbauregionen je nach Lage ihre jeweils ersten Ernten. Nach dieser Zeit verschwinden die Shincha vom Markt und werden fortan nur noch als „Ichibancha“ bezeichnet, was so viel bedeutet wie „Tee aus erster Pflückung“.

Was zeichnet unseren Shincha aus?

Unsere beiden Klassiker beziehen wir seit vielen Jahren aus der Präfektur Kagoshima. Hier werden in einer kleinen Tee-Manufaktur der Shincha Shimoyama und der Shincha Kirisakura hergestellt, die sich mittlerweile eine beachtliche Fangemeinde aufgebaut haben. Auf 700 m Höhe in Sichtweite des Vulkans Kirishima wachsen in langen Reihen die Teesträucher, die vor der Ernte beschattet werden. Dieser Prozess verleiht den Blättern eine dunkelgrüne Farbe und intensive Süße. Dank ihrer jahrelangen Erfahrung wissen die Teebauern bestens, wie sie die Blätter besonders schonend dämpfen und verarbeitet können. Das sieht man an den nadelförmigen Blättern, das merkt man aber auch am intensiv-fruchtigen Aroma. Beide Shincha unterscheiden sich untereinander aufgrund ihrer verschiedenen Cultivare und fallen jedes Jahr ein wenig anders aus.

Was ist ein Cultivar?

Als Cultivar bezeichnen wir die Varietät der Pflanze. Vom Weinanbau kennen wir ebenfalls verschiedene Varietäten wie Dornfelder und Merlot. Die Gründe für die Verwendung verschiedener Cultivare liegen einerseits in den geschmacklichen Eigenschaften und Resistenzen gegenüber Frost und Krankheiten. In unserem Kirisakura werden die Cultivare Okumidori und Saemidori verwendet. Beide Cultivare eignen sich bestens für die Herstellung hochwertiger Schattentees, doch letzterer ist wegen seines hohen Aminosäurengehalts besonders süß und weniger bitter.

Demgegenüber besteht unser Shimoyama zu 100 % aus Yabukita – dem japanischen Eichmaß. Er wird nicht nur wegen seiner Vielseitigkeit geschätzt – man kann ihn zu jeder japanischen Teesorte verarbeiten – seine Resistenz gegenüber Frost und vor allem der volle Umami-Geschmack machen ihn zum Garanten für guten Tee. Es überrascht daher nicht, dass er einen Anteil von 75 % (Stand 2012) an der japanischen Gesamtproduktion hält. 

Die Anbauregion Kagoshima

Kagoshima ist eine von 47 Präfekturen Japans, die ähnlich organisiert sind wie unsere Bundesländer. Bekannt ist Kagoshima für seine nährstoffreichen Böden, die durch die Vulkanasche von elf aktiven Vulkanen gespeist werden. Das subtropische Klima mit ausreichend Niederschlag ist bestens geeignet für Landwirtschaft und somit auch für Tee.

Tee in Kagoshima kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. So soll bereits vor 700 Jahren ein buddhistischer Mönch bei der Errichtung eines Tempels auch einen kleinen Teegarten angelegt haben, um die Mönche mit Tee zu versorgen. Fortan bildeten sich kleinere Parzellen in ländlichen Gebieten, in denen Tee kultiviert wurde.

In der Edo-Zeit  (1603-1867) hieß die Präfektur noch Satsuma. Der gleichnamige Familienclan, der dieses Lehen regierte, förderte den Teeanbau, um die Wirtschaft zu stärken. In der Folgezeit wurde Tee zunächst für den Eigenbedarf der Präfektur produziert. Dies änderte sich durch die schrittweise eingeführten Verbesserungen der Teebauern, die in Shizuoka den professionellen Teeanbau lernten. Durch die gezielte Förderung seitens der Präfekturregierung wurden die Experimentierstation und der Teeanbauverband gestärkt. Ziel war es, den damals noch unbekannten Kagoshima-Tee als Marke fest zu etablieren. 

Kagoshima ist im Laufe der Jahrzehnte die zweitgrößte teeherstellende Präfektur Japans geworden. Das hat sie unter anderem innovativen Teebauern zu verdanken, die schon bevor es irgendwelche Zertifizierungen gab, auf Bio Anbau setzten. Diese Pioniere lernten, künstlichen Stickstoffdünger durch eine bessere Stickstoff-Verfügbarkeit im Boden zu ersetzen und haben sich in Japan einen klaren Wettbewerbsvorteil erarbeitet. Wir sind tatsächlich ein wenig stolz darauf, von diesen besonderen Menschen unseren Tee zu beziehen.

 

Über den Autor: Lukas Parobij

Lukas Parobij, Tee-Einkauf und Produktentwicklung. Im Studium widmete er sich der japanischenTeekultur und arbeitete anschließend bei einem japanischen Teehersteller. Da sich die Leidenschaft für die große Welt des Tees nicht für immer zügeln ließ, führte ihn sein Weg ins TeeGschwendner-Team.

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  • Toller Bericht! Vielen Dank. Ich mag den Sencha 705 so gern!

  • Mal eine Frage:

    Wie kommt es, dass bei eurem Shincha-Tee im Shop und auch hier im Blog keine Angabe zur Sorte vorhanden ist und wann wird das endlich mal ergänzt?

    Ist es denn ein Gyokuro-Shincha oder Sencha-Shincha etc.?
    Bezüglich Transparenz und Seriosität, eine ganz peinliche Nummer von Teegschwendner.
    Daher hört bitte auf den Eindruck zu erwecken, dass Shincha eine Sorte ist. Denn, wie ihr wahrscheinlich auch selber wisst und bloß auf den unseriösen Marketingzug bezüglich Shincha aufspringt, definiert Shincha nur den frühen Erntezeitpunkt, oder um genauer zu sein, den frühesten Erntezeitpunkt und somit die erste Ernte. Es ist also eine Art Zeitangabe, wenn man so will, UND KEINE SORTENANGABE.

    Daher noch einmal: Wann wird endlich bei den Shinchas die Sortenangabe deklariert?


    MfG Marco

  • Lieber Marco, just diese gewünschte Ergänzung haben wir für das kommende Jahr schon in Planung!

  • Guter Bericht aber wie Marco bereits 2017 erwähnte, es ist nicht ersichtlich ob es ein Gyokuro, Kabusecha oder Sencha ist. Nr. 723, Japan Shincha Kirisakura First Flush 2018 BIO und Nr. 722, Japan Shincha Shimoyama First Flush 2018 BIO haben keine anhaben.

  • Lieber David, vielen Dank den Hinweis. Bei beiden Shinchas – Nr. 722 und Nr. 723 – handelt es sich um Kabusechas.

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